
SANDELDAMM, HANAU
Private Bauherrschaft
Die Villa am Sandeldamm kann kaum von der Strasse aus erkannt werden und ist vielen Hanauern tatsächlich kaum im Bewusstsein. Versteckt hinter Büschen und Bäumen gehörte sie im Ursprung auch gar nicht zur Bebauung an der historischen Wallanlage, sondern wurde 1889 als Nachverdichtung am benachbarten Mühltor entwickelt und von beiden Stadtgräben Hanaus begrenzt, was der Villa womöglich einen absolut pittoreske Sicht auf die Weiten jenseits des Sandeldamms ermöglichte. Doch leider war das wohl rund 20 Jahre später schon passé und der Blick in die Ferne schließlich durch die Projektentwicklungen eines gesamten Stadtviertels auf und jenseits der Wallanlage durch den Magistrat von teils 4-geschossiger Bebauung versperrt.
Der 19. März 1945 ist für die Hanauer Innenstadt ein einschneidendes Datum. Die Bombardierungen der Alliierten führte zu unglaublichen Verlusten. Und auch die hier betrachtete Villa wurde nicht verschont: Ein Bombentreffer ließ das nördliche Dach zerbarsten und „lähmte“ das stattliche Haus seitdem.
Unsere Aufgabe war es, das halbseitig geschädigte Gebäude mit all seinen etwas unpassenden Nachkriegs-Prothesen in Kur zu senden und es mittels dem Proportions-Portfolio der historistischen Zeit wieder seine Seele zurückzubauen. Wichtigstes und heute markantestes Detail ist dabe das wirklich riesige Walmdach, welches wir auf der Statik des historisch einmal Dagewesenen wieder errichten lassen konnten. Es handelt sich dabei tatsächlich nicht um eine Rekonstruktion, sondern um eine neue Interpretation auf dem Nachkriegsbau, der einmal viel niedriger und vor allem aus Fachwerk anstelle der massiven Aussenmauern gefertigt war. Der optisch wichtige, doch fehlende Fachwerkgurt wurde von uns durch einen vorgestellte Balkonanlage nach historistsichem Muster repariert. Während die Südseite den Krieg tatsächlich bis auf wenige „Brandblasen“ überlebte konnten Ost- und Nordfassade der Villa durch die Rekonstruktion des ehemaligen Erkers sowie durch die Reparatur der Fassaden mittels proportional richtiger Fensteröffnungen die Villa wieder in das rechte Licht rücken und so das Image vom Hexenhäuschen mit Notdach nehmen.
Die Villa ist wahrhaftig wie ein Phönix aus der Asche wieder erstarkt. Die Wunden der vergangenen Jahre wurden ihr nicht genommen, doch sehr bemüht verarztet. Und so zeigt sich der Bau heute wieder selbstbewusst, klassisch und vermittelt großbürgerliche Wohnlichkeit, Eleganz und Flair, wie es ihm zur Geburt mit in die Wiege gelegt wurde. Die Konkurrenzfähigkeit in der moderne Zeit ist dem historischen Haus nicht auf Anhieb anzusehen, doch mit der Klassifizierung „KfW-Effizienzhaus“ haben wir uns deutlich bemüht, wo denkmalschutzrechtliche möglich, das Haus mit allem Parametern in unsere Zeit zu holen: Innendämmung mit Lehm- und Kalkverputz auf allen historischen Fassaden, Aussendämmung der Brandwand, Dämmung unterer Geschossdecken sowie des kompletten Daches, Einbau einer Wärmepumpe inkl. Niedertemperaturheizkörper und neue Elektrik lassen keine Wünsche an Wohnkomfort missen.
















